Der Bernkasteler Doctor
Ein Weinberg mit interessanter Geschichte
 

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Franz Lucas Bühnenstück

Bühnenstück von Franz Lucas aus etwa 1925. Dank an Erich Wilbert, Bernkastel-Kues, für's Zusenden der Scans.

1930er
"Unser Moselwein im Volksmund" - Bernkasteler Doktor

1950er
"Bernkastel am Doctorberg - Eine Ansichtskarte der Doctor-Weinstube

Rückseitig:


Dr. Thanisch's Labor 1881

Werbung für das Weinuntersuchungslabor von Dr. Hugo Thanisch.
Gerade mal 4 Jahre nach seiner Doktor-Dissertation in Marburg: "Über die Phenyltolylessigsäure".



Dr. Thanisch's Luftschutzheber 1889

Werbung für den Luftschutzheber. Quelle: Deutsche Weinzeitung 1889.
(die in der Originalanzeige kopfstehende Fig. 1 korrigiert)

Heber

Der von Dr. Hugo Thanisch entwickelte Luftschutzheber zum "Hebern" von abgefülltem Wein.

1890

Der von Dr. Hugo Thanisch entwickelte Luftschutzheber zum "Hebern" von abgefülltem Wein.



Sterbemeldung 1895

Sterbemeldung in der Deutschen Weinzeitung 1895.





Jacob Cetto

Jacob Cetto gemalt von dem Graacher Maler Johann Velten.


Quelle: Archiv "TZ"

Anton Cetto

Anton Cetto gemalt von dem Graacher Maler Johann Velten.


Quelle: Archiv "TZ"

Cetto Artikel TV 1984

Zeitungsartikel dazu - Trierer Volksfreund vom 14. Januar 1984.


Quelle: Archiv "TZ"



ab 1857 etwa Doctor
???

Das Motiv gibt es mit Sicherheit ab 1857 - Lithographie H. v. Dirke, Saarlouis - Berncastler Doctor - Weingut nicht bekannt


Quelle: Dr. Wilhelm Treue, Deinhard Erbe und Auftrag, Deinhard & Co., Koblenz 1969, Kurzfassung, Seiten 46/47
1900er etwa Doctor
???

1900 etwa Berncastler Doctor - Weingut nicht bekannt

1900er etwa Doctor
Dr. Thanisch

1900 etwa Berncasteler Doctor - Crescenz Dr. Thanisch Cues-Berncastel

1910er etwa Doctor
Dr. Thanisch

1910 etwa Berncasteler Doctor - Wachsthum Dr. Thanisch. Druck bei Hyll & Klein in Barmen.

1921 Doctor
Wwe. Dr. H. Thanisch

1921er Berncastler Doctor Trockenbeerenauslese - Wwe. Dr. H. Thanisch


Quelle: YOOPRESS News Media Porta
1941er Doctor u. Graben
Wwe. Dr. H. Thanisch

1941er Berncasteler Doctor u. Graben - Wachstum Wwe. Dr. H. Thanisch. Druck bei Dackweiler, Schaar & Dathe, Trier.

1955er Doctor
J. Lauerburg

1955er Bernkastler Doctor Spätlese - Crescenz J. Lauerburg

1960er Doctor u. Graben
Wwe. Dr. H. Thanisch

1960er Berncasteler Doctor u. Graben - Wachstum Wwe. Dr. H. Thanisch. Druck bei H. Dackweiler & Co., Trier.

1976er Doctor
Wegeler-Deinhard

1976er Bernkasteler Doctor Riesling Auslese - Geheim-Rat Wegeler-Deinhard

1982er Doctor
J. Lauerburg

1982er Berncastler Doctor Riesling Auslese - J. Lauerburg

1983er Doctor
Wwe. Dr. H. Thanisch

1983er Berncasteler Doctor Riesling Auslese - Wwe Dr. H. Thanisch

1985er Doctor
Wegeler-Deinhard

1985er Bernkasteler Doctor Riesling Auslese - Geheim-Rat Wegeler-Deinhard

1986er Doctor
J. Lauerburg

1986er Berncastler Doctor Riesling Spätlese - J. Lauerburg

1989er Doctor
Wwe. Dr. H. Thanisch

1989er Berncasteler Doctor Riesling Auslese - Wwe Dr. H. Thanisch

1992er Doctor
Geheimrat J. Wegeler Erben

1992er Bernkasteler Doctor Riesling Spätlese - Geheimrat J. Wegeler Erben US Ausführung

1994er Doctor
Geheimrat J. Wegeler Erben

1994er Bernkasteler Doctor Riesling Spätlese - Geheimrat J. Wegeler Erben

1997er Doctor
Geheimrat J. Wegeler Erben

1997er Bernkasteler Doctor Riesling Geheimrat Wegeler Auslese - Geheimrat J. Wegeler Erben

2009er Doctor
J. Lauerburg

2009er Berncastler Doctor Riesling Spätlese - J. Lauerburg



2001er Alte Badstube am Doctorberg
Erben Karl Dillinger

1997er Bernkasteler Doctor Riesling Auslese - Erben Karl Dillinger

Hier wächst langsam die Seite: Einiges aus der Geschichte dieser berühmten Weinlage
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Gegenüberstellung dreier Ansichten zwischen 1908 und 2014:

Einleitung

Beim Durchsuchen meines Archivs fiel mir eine unscheinbare Postkarte auf, die ich irgendwann einmal achtlos hinzugefügt hatte. Die Unterschrift des Absenders war mir vorher nicht aufgefallen: Dr. Hugo Thanisch.

Die Karte ist am 15.3.1884 nach Metz geschickt worden - mit 5 Pfennig Inlandsporto, denn Metz in Lothringen, heute Hauptstadt des Départements Moselle und an der Mündung des Flüsschens Seille in die Mosel gelegen, gehörte seit 1871 zum Deutschen Reich.
Die Karte ist gerichtet an den "Baumeister Moosbrugger in Metz, St. Glosinderstr.7", (frz.: rue Sainte Glossinde).
Der Text lautet:

"Werthester Herr Moosbrugger,
Schon wieder ein neues Verbandsmitglied!
Metz hat offenbar Glück mit seiner neuen Geschäftsleitung und ebenso zweifellos mit seiner Regatta. Das Programm ist so meisterhaft abgefaßt, daß jeder einigermaßen günstig gelegene Verein ja eine patriotische Unterlassungssünde begehen würde, wenn er nicht der Einladung folgte. -- Daß dieses Programm nicht mit den gut klingenden Unterschriften der Vorsitzenden u. Schriftführer versehen, ist wohl nur ein Versehen -- keinenfalls aber eine Notwendigkeit.
Mit Ihnen bedauere ich den Verlust Rettigs (**), er wird jedoch nicht verabsäumen, Ihnen vor der Abreise die Wege nach Kräften zu ebnen. Unser Votum bez. Düsseldorf folgt anbei. Herz. Gruß, Dr. Hugo Thanisch.


(**) Hier handelt es sich wohl um Wilhelm Rettig, Architekt, Oberbaurat, Hans Dampf in allen Gassen, Besitzer einer Bootswerft in Berlin. Autor des Ruderbuches "Das Geheimnis des englischen Schlages". Er verkaufte 1884 seine Bootswerft und arbeitete dann mit Paul Wallot am Reichstagsbau.

Über den Empfänger, Moosbrugger in Metz, konnte ich bisher nichts herausfinden. Er war eventuell Ruderer des 1861 gegründeten Metzer Rudervereins "Société des régates messines". Dieser Verein hatte am 15. Juli 1883 in Bernkastel an der II. Verbands-Regatta der Mittelrheinischen Ruder-Verbandes teilgenommen. Dort hat Dr. Hugo Thanisch ihn möglicherweise kennen gelernt.

Soviel zum Anlass dieser Seite.
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Dr. Hugo Thanisch schrieb seine Dissertation "Über die Phenyltolylessigsäure" (54 Seiten, Univ.-Buchdr. Marburg) im Jahr 1877 an der Universität Marburg. Im gleichen Jahr (Juni) wurde er als Dr. H. Thanisch vorgeschlagen als außerordentliches Mitglied der Deutschen Chemischen Gesellschaft, Berlin. Er wohnte zu der Zeit in der Friedrich-Str. 2 in Koblenz. Im August 1877 wurde außerordentliches Mitglied. Am 1. Dezember 1878 wurde er ordentliches Mitglied. Er wohnte zu diesem Zeitpunkt schon wieder in Bernkastel.



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Der "Berncasteler Doctor" vor 1800

Kurze Vorgeschichte bis zur Säkularisation:
Nach 2) und 4) lässt sich zusammenfassen: Bis ins 17. Jahrhundert war die Adelsfamilie Cratz von Scharffenstein Besitzer des Weinbergs. Laufner spricht in 4) von dem Bernkasteler Kellner Georg Mörtzer. Der Trierer Kurfürst und Erzbischof Philipp Christoph v. Sötern habe sich die Weinberge von diesem um 1630 herum "einverleibt". 1652 (nach v. Söterns Tod) erhielten die Erben des Trierers Dr. iur. Johann Linden, den v. Sötern widerrechtlich mehrere Jahre einsperren ließ, die Nutznießung als Entschädigung für das erlittene Unrecht.
1854 erscheint eine Witwe von Doctor Jacob Mörtzer (vermutlich Sohn von Georg) als Eigentümerin, dem die Weinberge offenbar zurückgegeben worden waren.

Es scheint so, als habe der Kurfürst (1652-1676) Karl Kaspar v.d. Leyen die Weinberge in Bernkastel von der Witwe Mörtzer gekauft.
Laut 2) taucht der "Doctor", der vorher Weißenstein hieß, 1736 in den von der Leyen Akten auf mit 5262 Stöck.

Die ganze Entwicklung wird teilweise sehr unterschiedlich dargstellt. Der Name Doctor wird vermutliche auf einen der Besitzer mit akademischem Titel zurüzuführen sein. Die Größe läuft von Anfangs 4-5000 Stöck hin zu 6000 Stöck um 1720 bei dem späteren Besitzer und Kurfürst v.d. Leyen-Neffen Carl Caspar v.d. Leyen aus Koblenz.
Um 1740-55 wurden die Felsen des Weißensteins gesprengt und abgetragen. Später ist dann von etwa 10099 Stöck die Rede, als der Weinberg nach der Verstaatlichung bei der französischen Besetzung versteigert wurde. Bei der Bepflanzung damals von etwa 1 Stock pro 0,8 m² waren das dann etwa 8100 m².

Die "Berncasteler Doctor" - Neuzeit ab 1804
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An dieser Stelle ist eine kleine Cäsur angebracht, um einen Blick auf das Thanisch Weingut zu werfen.
Aloys Schreiber schrieb 1823 in "The Traveller's Guide down the Rhine" (Samuel Leigh, London):
"The principal wine merchants are MM. Thanisch, Cetto and Jonas. ... Inns: The Golden Grape, Three Kings."
(Das Gasthaus hieß wohl "Zum Goldenen Adler" und war auch Poststation.)



Dieser Johann Anton Thanisch hatte zwei Töchter und drei Söhne - einer davon war Johann Philip Thanisch, verheiratet mit Anna Clemens. Dieses Paar hatte drei Söhne und eine Tochter. Einer davon war Hugo Thanisch, * 1853. (Johann Philip starb 1873.)
Dieser Hugo Thanisch war der Schreiber der oben gezeigten Postkarte. Von ihm wird weiter unten dann wieder im Zusammenhang mit dem Doctor- Weinberg die Rede sein.

bild Anton Cetto starb am 27. Juli 1823, seine Frau Susanna geb. Karricht, am 18. Oktober 1856. Die 1839 erstellten Flurbücher wiesen sie Eigentümerin des "Doktor"-Weinberges aus mit einer Größe von 8000 m². Quelle: 3)
Ein Jahr vor ihrem Tod teilten seine beiden Söhnen den Doctor Weinberg unter sich auf. Es gibt Quellen, die von jeweils etwas über 4000 m² sprechen, was dem Eintrag von 1839 entspricht.
Laut Flurbuch bei der Erbteilung 1855 hatte Nikola 5982 m² und Otto Franz 4000 m². Die Fläche des Doctor Weinbergs betrug also nun 9982 m² zu diesem Zeitpunkt. Quelle: 2)
Mit der Thanisch Fläche des "Doctor hinterm Graben" sind wir also nun bei 13236m²


- Otto Franciscus Cetto, mit Angela Dillinger verheiratet, starb am 30.9.1863 und vererbte die Nutznießung seiner Frau Angela
     auf Lebenszeit und den Besitz seinem Bruder Nicolaus Carolus oder dessen Erben nach dem Tod Angelas.

- Nicolaus Carolus Cetto, mit Anna Maria Griebler verheiratet, vererbte 1866 seinen ganzen Doctorweinberg, also auch den mit
     der Nutznießung belasteten Teil, nein, nicht seiner Frau Anna Maria Griebler, sondern der von ihm sehr geschätzten
     angeheirateten Schwägerin Franziska Griebler, geb. Fischer, die mit Damian Griebler verheiratet war.
     (Seine Frau Anna Maria war wohl - wie es bei famililysearch.org scheint - vor ihrer Cetto-Ehe mit einem Georg Jakob Dahm
     verheiratet und hatte mit dem ein Tochter Catharina Dahm.)

- Franziska Griebler starb am 2.12.1873.

Somit kamen ihre 3 Söhne Nikolaus, Josef und Carl Griebler in den Besitz des Doctorweinberges.

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Ich wundere mich hier, woher wohl die etwa 750-900 m² (?) der Erben Dillinger 1917 stammen, die der Richter Matthias Rech in seinen Erinnerungen erwähnt, und wo sie einzuordnen sind:

"Gelegentlich eines Verschnittes der Erben Dillinger (die kein ½ Fuder aus ihren Doktorstöcken zusammen bekamen) kam es zu einer Schöffensache hier, in der Kollege Winckler ein ausführliches Urteil über die Zulässigkeit des Verschnitts mit benachbarten Lagen machte, das in II. Instanz aufgehoben, in III. bestätigt wurde."
und:
"Diesen Winter [1917-18] kam der Dillinger'sche Doktorweinberg zu öffentlicher Versteigerung. Natürlich ließ Walter Th. ihn sich entwischen und Deinhard hat ihn nun und sitzt dem Weingut Dr Hugo Thanisch damit mitten in seiner Doktorlage."

Eigentlich können die nur unten rechts in diesem verzipfelten Bereich gelegen haben.

Mit den Flächen stehe ich noch erheblich auf Kriegsfuß! Und dann ist da ja noch der Lauerburg Doctor Weinberg mit etwa 300 m²
Fortsetzung folgt so es meine Zeit erlaubt!

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Quellen beim Erstellen dieser Seite:

1) - Wolfgang Schieder, "Säkularisation und Mediatisierung in den vier rheinischen Departements 1803 - 1813",
     Teil 3: Saar Departement, Boppard 1991.

2) - Dr. Helmut Prößler, "Bernkasteler Doctor, Der 'kurfürstliche' Weinberg", Deinhard & Co., Koblenz 1990.

3) - Franz Schmitt, "Bernkastel im Wandel der Zeiten", Stadt Bernkastel-Kues, 1985

4) - Richard Laufner, "Der >>Bernkasteler Doktor<< - Zur Geschichte des Weines, der Weinberglage und seiner Besitzer".
     in: Kreis Bernkastel-Wittlich - Jahrbuch 1985, Seite 104, Kreisverwaltung Wittlich, 1985

5) - Prof. Dr. Wilhelm Treue, "Deinhard Erbe und Auftrag", Deinhard & Co., Koblenz 1969

6) - Für viele alte Druckerzeugnisse: Das rheinland-pfälzische Digitalisierungsportal dilibri: www.dilibri.de

7) - Für diverse Weinetiketten: Das Archiv von Helmut "TZ" Theis in Bernkastel-Kues, Graacher Straße 21.

8) - Gallica : Bibliothèque nationale de France: http://gallica.bnf.fr/?lang=DE

9) - Franz Schmitt, "Bernkastel-Kues in Vergangenheit und Gegenwart, 700 Jahre Stadt Bernkastel-Kues 1291-1991",
     Stadt Bernkastel-Kues, 1991

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